Seminar mit Dr. Ute Horn „Kinder: Gabe – Aufgabe – Selbstaufgabe?“
Am 29. Mai 2010 fand in der Philippus-Gemeinde Bielefeld ein Seminar mit Dr. Ute Horn statt. Ute Horn ist Fachärztin für Dermatologie, seit mehreren Jahren hält sie Vorträge und Fortbildungen zu verschiedenen Themen, die ihr Leben als Frau und siebenfache Mutter immer wieder begleiten. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei der Themenkomplex „Freundschaft – Liebe – Sexualität“. Seit mehreren Jahren besucht sie Schulen und Jugendgruppen, um mit Teenies selbst darüber ins Gespräch zu kommen. Ihr Ziel ist es, sie zu verantwortlichem Handeln zu führen, ohne zu moralisieren.
Darüber hinaus bildet sie auch Eltern bzw. Menschen, die beruflich oder anderweitig mit der Erziehung und Bildung von Jugendlichen zu tun haben, darin fort, wie man über dieses Thema mit Kindern und Jugendlichen reden kann.
Dieser Seminarabend thematisierte nun eine übergreifende Fragestellung zur Erziehung: Wie kann es uns gelingen, unsere Kinder mit Liebe und Konsequenz zu erziehen?
Das Seminar begann zunächst mit der konkreten Fragestellung des Titels: Kinder eine Gabe? Ja, Kinder sind eine Gabe Gottes, weil Er von Anfang an zu ihnen steht, unabhängig davon, unter welchen Umständen sie gezeugt wurden und wie willkommen sie ihrer Umwelt waren oder sind!
Und Kinder sind auch eine Aufgabe! Ute Horn fasst diese Erziehungsaufgabe zusammen: Dem Kind dabei helfen, sein Leben selbstständig vor Gott führen zu können.
Und schließlich haben wir auch oft das Gefühl als Eltern, dass wir für diesen Erziehungsauftrag bis zur Selbstaufgabe gehen (müssen). Aber auch und gerade hier gilt der Anspruch Jesu aus Mt. 19,19 (leicht umformuliert): „Liebe dein Kind wie dich selbst“ – und liebe dein Kind nicht statt dir selbst. Denn wer Ja sagen kann zu sich selbst, wer sich und seine Bedürfnisse ernst nimmt und entsprechende Grenzen setzt, der ist ausgeglichener, kann besser auf die Bedürfnisse seiner Kinder eingehen, kann den Erziehungsauftrag besser erfüllen, ohne sich selbst aufzugeben. Auf sich selber achthaben – um der anderen willen.
Im Folgenden ging es dann um die ganz grundlegende Frage, wie wir diese Erziehungsaufgabe erfüllen können: Welche Bedürfnisse haben unsere Kinder eigentlich? Was brauchen sie oder wünschen sie sich von uns als Eltern und/oder Erzieher? Wie können wir sie lieben und erziehen, um ihnen dabei zu helfen, eben zu solchen Menschen zu werden, die ihr Leben selbstständig vor Gott leben können?
21 verschiedene „Kinderbitten“ hat Ute Horn dazu zusammengestellt – nachzulesen in ihrem Buch „Mutig mit den Kindern wachsen“ (Hänssler Verlag, 2009). Bitten wie „Habe Zeit für mich“ oder „Nimm mich ernst“ bis hin zu „Beschütze mich“ und „Lass mich los“ kamen zur Sprache und wurden mit vielen Beispielen aus ihrer eigenen Lebenserfahrung als Mutter von sieben Kindern veranschaulicht. Was bedeuten diese Bedürfnisse für den Umgang miteinander im Alltag? Wie können wir ganz praktisch auf die Kinderbitten eingehen? Welche Kinderbitten fordern uns am meisten heraus?
Ute Horn verstand es, sehr unterhaltsam und gleichzeitig tiefgehend den Anwesenden die Bedürfnisse von Kindern nahe zu bringen sowie praktische Tipps zu geben, wie Erziehung in Liebe und Konsequenz auf diesem Hintergrund besser gelingen kann. Man spürte ihr ab, dass das, was sie berichtete und weitergab, keine Theorie für sie war, sondern gelebtes Leben, an dem sie die Besucher Anteil nehmen ließ. Als Zuhörer konnte man von ihrer Lebenserfahrung, ihrer Ehrlichkeit in Bezug auf eigenes Lehrgeld und damit ihrer Persönlichkeit nur profitieren. Und so war es ein durchweg bereichernder Abend, zu dem man auch gut Gäste ohne gemeindlichen Hintergrund einladen konnte.
Cornelia Schwehn
2010-06-08 17:51:01
Einblick - Rückblick
Arbeitskreis „Christ und Gesellschaft“2011-06-29 17:16:13
Arbeitskreis „Christ und Gesellschaft“
2011-04-19 22:08:00
Villa Wundervoll
2010-10-20 18:08:47
Begleittext zur Predigtreihe über die Bergpredigt
2010-07-18 16:24:25
Seminar mit Dr. Ute Horn „Kinder: Gabe – Aufgabe – Selbstaufgabe?“
2010-06-08 17:51:01
Das besondere Panoptikum der Literatur
2010-05-11 18:20:36
